„Diego?“, fragte er, ohne die Lippen zu bewegen.
Ich habe nicht geantwortet. Ich musste nicht.
Die endgültige Vereinbarung war besser als erwartet: Ich behielt die Wohnung in Lavapiés, erhielt eine angemessene finanzielle Entschädigung und – was am wichtigsten war – ein Dokument, in dem Javier auf jegliche zukünftigen Ansprüche verzichtete. Seine Firma kündigte ihm nicht, aber das Projekt in Barcelona ging an einen anderen Architekten, und sein Name fiel in wichtigen Besprechungen nicht mehr.
Das letzte Mal sah ich ihn, als wir die Papiere vor einem Notar in einem alten Gebäude in der Alcalá-Straße unterschrieben. Er schien etwas sagen zu wollen, verschluckte es aber. Er unterschrieb. Ich unterschrieb auch. Der Notar blickte auf, sprach die förmlichen Phrasen, und damit war die „Witzhochzeit“ offiziell beendet.
Draußen wartete Diego auf mich, an eine Straßenlaterne gelehnt, in jeder Hand einen Kaffee zum Mitnehmen.
„Und… was nun?“, fragte er und reichte mir eines.
Ich schaute auf den Verkehr, die Menschen, die die Straße überquerten, den bedeckten Himmel über Madrid. Javier existierte noch – mit seinem verletzten Ego und seiner auf Eis gelegten Karriere. Die Welt war nicht untergegangen. Aber er hatte keine Macht mehr über mich.
„Jetzt gibt es keine Wetten mehr“, sagte ich. „Nur noch Entscheidungen.“
Diego lächelte, zum ersten Mal ohne Schuldgefühl in den Augen. Wir gingen die Alcalá entlang, ohne uns zu berühren, wie zwei Menschen, die wussten, dass die Zukunft nicht vorherbestimmt war – aber zumindest war es kein Witz mehr, der in einer Bar unter dem Gelächter anderer erzählt wurde.
Und zum ersten Mal seit Langem, als ich über mein Leben nachdachte, empfand ich weder Scham noch Angst. Nur eine tiefe Stille – wie ein unbeschriebenes Blatt, das darauf wartete, von mir und von niemand anderem beschrieben zu werden.