Und ich ging.
Ich trat hinaus in die kalte Madrider Februarnacht, die Lichter der Gran Vía nur wenige Blocks entfernt, und hatte einen Kloß im Hals, der mehr brannte als der Wein. Ich rief ein Taxi, gab meine Adresse in Lavapiés an und schaute während der gesamten Fahrt nicht auf mein Handy.
Zuhause – in unserer gemeinsamen Wohnung, die sich plötzlich fremd anfühlte – packte ich einen Koffer mit dem Nötigsten: Pyjama, ein paar Jeans, die Hefte meines Literaturlehrers, meinen Laptop. Die Stille im Wohnzimmer, mit dem grauen Sofa und unseren Hochzeitsfotos von Formentera, wirkte fast bedrückend.
Ich ließ meinen Goldring auf der Marmor-Küchenarbeitsplatte liegen. Er machte ein leises metallisches Geräusch, als er herunterfiel. In diesem Moment wurde mir klar, dass er echt war.
Später, im Gästezimmer der Wohnung meiner Schwester in Embajadores, schaute ich endlich auf mein Handy. Vierzehn verpasste Anrufe von Javier, sechs ungehörte Sprachnachrichten und SMS, die ich nur teilweise lesen konnte: „Lucía, komm zurück, du übertreibst …“ „Wir können reden …“
Ich ignorierte alles. Ich legte mich ungeschminkt und angezogen ins Bett. Erschöpfung und Wut lasteten schwer auf mir. Ich wollte gerade den Flugmodus einschalten, als eine neue Benachrichtigung auf dem Bildschirm erschien.
„Nachricht von Diego.“
Ich öffnete den Chat. Da stand nur ein Satz. Eine einzige Zeile, die mir den Atem raubte:
„Es tut mir leid wegen heute Abend, aber es gibt etwas über Javier, das du wissen musst… und es kann nicht warten.“
Ich hätte das Handy beinahe mit dem Display nach unten gelegt und so getan, als hätte ich es nicht gelesen. Doch Diegos Worte brannten sich in mein Gedächtnis ein, wie eine halb geöffnete Tür in einem dunklen Raum.
Es gibt etwas an Javier, das du wissen musst.
Ich tippte mit ungeschickten Fingern:
"Sag mir."