Sie sah mich an, und ihr Gesichtsausdruck schnürte mir die Kehle zu. Es war keine Erleichterung. Nicht wirklich. Zuerst war es Angst, als wüsste sie nicht, was sie in diesem Moment erwarten würde – Hilfe oder Ablehnung.
Meine Mutter antwortete für sie. „Sie ist übermüdet. Ich habe ihr gesagt, sie soll sich hinlegen, aber sie besteht darauf, alles selbst zu machen und sich dann als Märtyrerin aufzuspielen.“
„Ich habe die Kamera gesehen“, sagte ich.
Es herrschte Stille im Raum.
Die Hände meiner Mutter erstarrten über der Babydecke. Lily schloss die Augen.
„Welche Kamera?“, fragte meine Mutter, obwohl sie es ganz offensichtlich wusste.
„Das Futter für die Aufzuchtstation.“
Ich beobachtete, wie sich ihre Gesichtsfarbe veränderte – keine Schuldgefühle, sondern Verärgerung darüber, dass sie ertappt worden war, ohne Zeit zur Vorbereitung zu haben. „Und jetzt werde ich im Zimmer meines eigenen Enkels gefilmt?“
„Du hast Lily an den Haaren gezogen.“
Meine Mutter lachte dünn. „Ach, du meine Güte! Ich habe sie beiseite geschoben. Sie war im Weg.“
Lily zuckte zusammen, so wie man es tut, wenn einem eine Lüge zu vertraut vorkommt.
Ich wandte mich sanft an sie. „Sag mir die Wahrheit.“