Vanessas Atem stockte. Dad fluchte leise vor sich hin.
Denn jetzt ging es nicht mehr um meine Gefühle.
Es ging ums Geld.
Am Flughafen gab ich meinen Koffer auf und bewegte mich wie ein Schatten durch die Sicherheitskontrolle – sichtbar, aber doch getrennt. Meine Hände zitterten nur einmal, als ich eine Familie in passenden Urlaubshemden bemerkte, die in der Nähe der Rolltreppe Selfies machte. Die Mutter beugte sich vor, die Tochter brach in Lachen aus, und niemand forderte jemanden auf, aus dem Bild zu treten.
Ich ließ mich an meinem Gate nieder und öffnete Mamas Nachricht erneut: Schatz?
Ich fing an zu tippen, löschte es und versuchte es dann erneut. Schließlich drückte ich stattdessen auf „Anrufen“.
Sie nahm sofort ab. „Emily, bitte. Dein Vater ist wütend. Vanessa weint. Kannst du einfach… zurückkommen? Wir können das wieder in Ordnung bringen.“
Durchs Fenster beobachtete ich die Flugzeuge, wie sie langsam, gleichmäßig und zielstrebig über die Startbahn rollten. „Mama“, sagte ich leise, „man repariert etwas nicht, indem man ein zerrissenes Foto mit Klebeband zusammenklebt. Man repariert es, indem man es gar nicht erst zerreißt.“
Sie stieß einen leisen Laut aus – halb Schluchzen, halb Ausatmen. „Sie ist deine Schwester.“
„Und ich bin Ihre Tochter“, erwiderte ich. „Ich sollte mir nicht erst den Weg in die Familie erkaufen müssen.“