Um 6:00 Uhr morgens leuchtete mein Handy auf. „Opa ist letzte Nacht gestorben“, sagte mein Vater emotionslos und ungeduldig.

Da gab mein Großvater zu, dass es in Cedar Hill einen zweiten Safe gegeben hatte, in dem sich die Originalurkunden, die Nachträge zum Treuhandvertrag, die Mineralienpachtverträge und ein Hauptbuch befanden. Er hatte ihn am Vortag überprüft. Als er und Miller an diesem Morgen dort ankamen, war er bereits leergeräumt. Jemand war schneller gewesen, als wir gedacht hatten.

Wir fuhren direkt nach Cedar Hill. Das Haus thronte über dem Fluss, wie es alte Häuser eben tun, wenn sie die Zeit derer überdauert haben, die sie modernisieren wollten – breite Veranda, silbergraue Fassade, Fenster, die zu viel Einblick gewährten. Streifenwagen standen schon da. Die Bibliothek war sorgfältig ausgeräumt worden. Das versteckte Fach hinter den Atlanten war verschwunden. Unwichtige Papiere lagen verstreut herum, um sie zu tarnen, aber das eigentliche Ziel war spurlos beseitigt worden.

In einer Schreibtischschublade fand ich jedoch eine Notiz in Oma Roses Handschrift, in der sie Opa warnte, dass Marcus bereits stahl, sobald er anfing, mich zu umgarnen. Die Worte trafen ihn wie ein Schlag. Dann, tief in einer Schublade unter Saatgutkatalogen und alten Briefmarken, fand ich einen Messingschlüssel mit der Aufschrift „Gewächshaus“. Hinter dem verfallenen Gewächshaus, halb von Efeu überwuchert, stand der alte Geräteschuppen. In einem Hohlraum hinter einem Regal stand eine zweite versteckte Kiste, der offenbar außer Oma niemand vertraut hatte. Sie enthielt ein zerbrochenes rotes Kassenbuch, zwei Kassetten mit den Aufschriften „MARCUS“ und „FALLS BEDARF“ sowie einen versiegelten Umschlag mit meinem Namen.

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