Zwei Jahre nachdem mein Mann sich von mir scheiden ließ und meine beste Freundin heiratete

Kurz darauf tauchte Javier auf, das Handy am Ohr, und warf mir kaum mehr als einen flüchtigen Blick zu. Ich aber spürte den schmerzlichen Moment, ihn wiederzusehen: sein glatt rasiertes Kinn, die Uhr, die ich ihm zum ersten Jahrestag geschenkt hatte, das makellose weiße Hemd.

Er erkannte mich nicht. Sein Blick strich über mich hinweg, wie ein Unternehmensleiter einen Stuhl beurteilt, nicht einen Menschen.

„Wenn die Agentur sie empfiehlt, stellen Sie sie ein“, sagte er zu Lucía, bevor er sein Gespräch fortsetzte. „Wir brauchen jetzt jemanden.“

Und so kehrte ich durch den Nebeneingang in ihr Leben zurück.

Die ersten Tage beobachtete ich nur. Die Wohnung im Stadtteil Salamanca war riesig, minimalistisch eingerichtet und voller zeitgenössischer Kunst, die ich nicht verstand. An den Wänden hingen Fotos ihrer standesamtlichen Trauung: Javier im dunkelblauen Anzug, Lucía in einem schlichten weißen Kleid, lächelnd, als gehöre ihnen die Welt.

Von mir fehlte jede Spur.

Als ob dieses Kapitel nie existiert hätte.

Aus der Küche hörte ich Gesprächsfetzen, abgebrochene Telefongespräche, Firmennamen. Ich merkte mir alles, was seltsam klang: wiederholte Erwähnungen von Konten in Luxemburg, von „diskreten Partnern“ und von „Geldtransfers vor Quartalsende“.

Nachts schrieb ich in dem winzigen Zimmer, das man mir zugewiesen hatte, alles in ein Notizbuch – Daten, Uhrzeiten, verstreute Wörter.

weiterlesen auf der nächsten Seite