Keine Moralpredigt.
Keine lange Diskussion.
Sie verstand es einfach.
Am nächsten Morgen packte sie alles doppelt ein – zwei Sandwiches, zwei Stück Obst, zwei Saftpackungen – und stopfte es ohne viel Aufhebens in meinen Rucksack.
„Du wirst schon wissen, wem du es geben sollst“, sagte sie.
In der Schule, als es Mittagessen gab, setzte ich mich wie immer neben das Mädchen. Meine Handflächen waren schweißnass, mein Hals wie zugeschnürt – seltsam, wie einen Freundlichkeit nervöser machen kann als Grausamkeit.
Ich stellte das zusätzliche Mittagessen vor sie hin.
Sie erstarrte, die Augen weit aufgerissen, die Hände in der Luft schwebend, als sei sie sich nicht sicher, ob sie es berühren durfte. Einen Herzschlag lang sah es so aus, als wolle sie es zurückstoßen.
Dann sah sie mein Lächeln – klein, unsicher, aber aufrichtig – und etwas in ihrem Gesicht brach auf.
Sie flüsterte „Danke“, so leise, dass der Lärm in der Cafeteria es fast verschluckte.