Innerhalb von zwei Wochen hatte sie fast alle Sachen meines Vaters in Kartons gepackt. Seine Bücher. Seine Stiefel. Das alte Maßband, das er immer an seinem Gürtel trug. Die Uhr, die ihm sein Vater geschenkt hatte. Das gerahmte Strandfoto. Das Flanellhemd, das ich mir immer geklaut hatte, weil es nach Zeder, Sägemehl und ihm roch.
Sie hat nicht gefragt, was ich behalten wollte.
Als ich begriff, was vor sich ging, waren die Kisten bereits in der Garage gestapelt und mit schwarzem Filzstift in ihrer ordentlichen, praktischen Handschrift beschriftet.
Ich stand da im Dämmerlicht und starrte auf das Wort DAVID, das auf Pappe geschrieben war, als wäre er zu einer Kategorie von Dingen geworden, die es zu sortieren galt.
„Mama“, sagte ich. „Was machst du da?“
Sie drehte sich um und hielt eine Rolle Klebeband in der Hand.
„Organisieren.“
„Das ist Papas Zeug.“
„Ja, Thea. Ich weiß.“
Ich sah die Kisten an, dann wieder sie. „Ich wollte …“
„Was?“, fragte sie, und schon schwang Ungeduld in ihrer Stimme mit, als wäre die Trauer zu einer Aufgabenliste geworden und ich würde sie nur verlangsamen.
„Ich wollte etwas davon behalten.“
Sie drückte Klebeband über eine weitere Naht. „Man kann nicht in einem Mausoleum leben.“
Ich kann das Geräusch, das das Tonband gemacht hat, immer noch hören.
Erst Jahre später begriff ich, dass die Geschwindigkeit, mit der sie ihn auslöschte, weniger mit Überleben als mit Absicht zu tun hatte.
Eines Abends, nicht lange nach der Beerdigung, hörte ich sie in der Küche. Ihre Stimme war leise, aber nicht leise genug.
„Das Geld von der Versicherung ist da“, sagte sie. Dann, nach einer Pause und mit einem Unterton in der Stimme, der mir schon damals ein flaues Gefühl im Magen bereitete: „Ich kann endlich neu anfangen.“
Von vorne beginnen.
Als wären sechzehn Ehejahre nur ein Entwurf gewesen.
Als wäre das Leben meines Vaters etwas gewesen, das man nach Erledigung der Formalitäten einfach beiseite räumen konnte.
Als wäre ich, im übertragenen Sinne, Teil einer Struktur, die sie nicht länger bewohnen wollte.
Mit sechzehn verstand ich noch nicht alles. Ich wusste nicht, wie lange sie schon an ihrem neuen Lebensabschnitt gefeilt hatte oder wie sorgfältig sie ihn bereits aufgebaut hatte, bevor der alte zusammenbrach. Ich wusste nur, dass meine Mutter viel zu früh wieder angefangen hatte, Lippenstift zu tragen und abends mit einer Sanftheit in ihr Handy lächelte, die sie mir gegenüber nie zeigte.
Der Mann am anderen Ende der Leitung war Richard Thornton.