Als ich von der Reise zurückkam, noch immer den Geruch des Flughafens an den Kleidern und voller Vorfreude auf die Umarmung meines Mannes

Als ich von meiner Geschäftsreise nach Valencia zurückkam, herrschte in der Wohnung in Carabanchel eine seltsame Stille. Ich zog meinen Koffer den Flur entlang, als mir ein Zettel auffiel, der an den Schrank im Eingangsbereich geklebt war. Es war die Handschrift meines Mannes Javier, aber ich erkannte auch den Tonfall seiner Mutter Pilar: „Kümmert euch um diese senile alte Frau.“

Keine Unterschrift. Keine Erklärung. Nur dieser Satz, in blauer Tinte geschrieben und mehrfach unterstrichen, als wäre jeder Strich ein Stich. Ich verspürte einen Anflug von Wut – und etwas, das einer Scham sehr nahekam.

„Oma Dolores?“, rief ich und erhob meine Stimme.

Nichts. Der Fernseher war aus, die Küche nur halb aufgeräumt, ein Glas mit Milchresten stand auf der Arbeitsplatte. Ein muffiger Geruch wehte vom Ende des Flurs herüber, aus dem kleinen Zimmer, das Javier immer „Omas Abstellkammer“ nannte.

Ich drückte die Tür auf.

Dolores lag im Bett, halb auf plattgedrückten Kissen abgestützt. Das Laken war fleckig, ihr Nachthemd klebte an ihrem Körper. Ihre Haut wirkte gräulich, ihre Lippen trocken, ihre Augen weit geöffnet – viel zu wach für jemanden, den sie zu einer „senilen alten Frau“ degradiert hatten. Ein feuchtes Keuchen erschütterte ihre Brust bei jedem Atemzug.

„Gott …“, flüsterte ich. „Dolores, hier ist Lucía. Ich bin wieder da, okay?“

Sie blinzelte angestrengt und bewegte ihre zitternde Hand, auf der Suche nach meiner. Ich setzte mich auf die Matratzenkante und nahm sie. Der Geruch von Urin und billigen Medikamenten schlug mir entgegen. Ich fragte mich unwillkürlich, wie lange sie sie wohl schon so liegen gelassen hatten.

„Hilf mir…“, flüsterte sie kaum hörbar. Ich beugte mich näher zu ihr.

„Hilf mir, Rache zu nehmen.“

Ich erstarrte.

„Was sagst du da, Dolores?“

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