„Du konntest nie selbst entscheiden. Jemand musste es tun. Und es war ein sicherer Eingriff. Du hast geschlafen. Du hast nicht gelitten. Sieh dir dein Leben jetzt an – deine Karriere, deine Freiheit…“
„Meine Freiheit“, wiederholte ich, und das Wort schmeckte mir wie Gift. „Wissen Sie, dass ich bereits zwei andere Ärzte aufgesucht habe? Dass dies ein Verbrechen ist?“
Zum ersten Mal sah ich Angst in seinen Augen. Nicht vor dem, was er getan hatte – sondern vor den Folgen.
„Das kriegen wir hin“, sagte er schnell. „Wir können uns nach Alternativen umsehen – künstliche Befruchtung, was auch immer Sie wollen. Aber erstatten Sie keine Anzeige. Niemand wird Ihnen glauben. Ich bin ein anerkannter Experte, Lucía. Und Sie … Sie waren in solchen Dingen schon immer etwas unsicher.“
Die Drohung hing in der Luft, verpackt in einen vernünftigen Ton.
Dir wird niemand glauben.
In Spanien, in einer kleineren Stadt wie Salamanca, ist der Ruf alles. Ich wusste, dass die Ärztekammer ihn bestmöglich schützen würde. Ich wusste, dass seine Kollegen ihn unterstützen würden.
Ich wusste auch, dass mein Leben zu einem Schlachtfeld werden würde, wenn ich ihn anzeigen würde – Gerüchte, Vernehmungen, Anwälte, Prozesse.