Am Freitag bemerkte Emily noch etwas. Vanessa hielt sich ständig in der Nähe von Nathans Büro auf, bewachte seine Tür, korrigierte seine Assistenten und beendete seine Gedanken in Meetings, zu denen sie eigentlich nichts zu sagen hatte. Man scherzte hinter vorgehaltener Hand darüber. „Sie weiß, was er denkt, bevor er es selbst tut“, murmelte ein Analyst. „Wie eine Ehefrau“, fügte ein anderer hinzu und lachte dann zu schnell.
Zur Mittagszeit herrschte in der Küche reges Treiben. Emily stand am Tresen und las ihre E-Mails, während sie auf die Mikrowelle wartete. Am anderen Ende stand ein Glas Wasser neben einer Ledermappe mit dem Aufdruck „NH“. Sie erkannte sofort, dass sie Nathan gehörte. Sie wusste auch, dass er die Personalküche nie benutzte. Vanessa musste sie mitgebracht haben, als sie sich auf seine Nachmittagsbesprechung vorbereitete.
Emily betrachtete das Glas einen einzigen, bedächtigen Moment lang. Dann, so beiläufig, als ob es nichts zu bedeuten hätte, nahm sie es und trank.
Es wurde still im Raum. Ein Stuhl kratzte scharf über die Fliesen. Vanessa stürmte mit funkelnden Augen herbei, und bevor irgendjemand reagieren konnte, traf ihre Hand Emilys Gesicht. Der Knall hallte durch die Küche.
„Du wagst es, das Wasser meines Mannes zu trinken?“, fuhr Vanessa ihn an.
Emilys Kopf schnellte durch den Aufprall herum, ihre Wange brannte. Um sie herum erstarrten die Angestellten vor Schreck. Langsam wandte sie sich wieder Vanessa zu, ein schwacher roter Fleck zeichnete sich auf ihrer Haut ab, und fragte mit einer so ruhigen Stimme, dass es alle verunsicherte: „Ihr Mann?“