Was ich an meiner Steckdose entdeckte

Was ich an meiner Steckdose entdeckte – und welche stille Lektion mir dieser Moment über Nachbarschaft und Zusammenleben erteilte

Manchmal sind es nicht die großen Ereignisse im Leben, die uns etwas beibringen, sondern ganz kleine, scheinbar belanglose Situationen. Dinge, über die man zuerst stolpert, dann kurz den Kopf schüttelt und erst viel später merkt, dass sie etwas in einem verändert haben. Genau so eine Situation habe ich vor Kurzem erlebt, und sie hat mich noch Tage danach beschäftigt.

Es war einer dieser ganz normalen Tage. Kein besonderer Anlass, kein Stress, kein Zeitdruck. Ich ging in meinen Garten, um kurz frische Luft zu schnappen. Vielleicht fünf Minuten Ruhe, bevor der Alltag weitergeht. Die Sonne stand angenehm, alles war ruhig, und genau deshalb fiel mir das Merkwürdige sofort auf. Ein grell oranges Verlängerungskabel zog sich quer über meinen Rasen. Es lag dort nicht zufällig, nicht achtlos hingeworfen, sondern ganz bewusst verlegt. Wie ein leuchtender Pfad führte es von der Garage meines Nachbarn direkt zu meiner Außensteckdose an der Hauswand.

Ich blieb stehen. Nicht wütend, nicht empört – eher überrascht. Für einen Moment fragte ich mich, ob ich mich täusche. Ob das Kabel vielleicht schon immer dort lag und ich es nur nie bemerkt hatte. Doch je länger ich hinsah, desto klarer wurde mir: Nein, das war neu. Und es war ganz eindeutig eingesteckt. In meine Steckdose.

In diesem ersten Moment war da keine Wut. Es war eher Verwirrung. Wir verstehen uns eigentlich gut mit unseren Nachbarn. Man grüßt sich, wechselt ein paar Worte, hilft sich manchmal gegenseitig. Nichts Besonderes, aber angenehm. Deshalb versuchte ich mir die Situation ruhig zu erklären. Vielleicht war es ein Versehen. Vielleicht nur kurz, vielleicht vergessen. Ich wollte nichts hineininterpretieren, bevor ich wusste, was wirklich los war.

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