Am nächsten Tag brachte ich an der Steckdose eine kleine abschließbare Abdeckung an. Nichts Auffälliges, nichts Aggressives. Einfach eine sachliche Lösung. Kein Zettel, kein Kommentar, keine Spitze. Ich wollte damit keine Grenze ziehen im Sinne von „bis hier und nicht weiter“, sondern einfach Klarheit schaffen. Für mich selbst.
Und dann passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.
Am Abend fand ich eine Nachricht von meinem Nachbarn. Keine Ausrede, kein Rechtfertigen. Eine ehrliche Entschuldigung. Er schrieb, dass er nicht darüber nachgedacht habe, wie sich das für mich anfühlen könnte. Dass es ihm peinlich sei. Dass er wirklich nicht vorhatte, mir Unannehmlichkeiten zu bereiten. Und dass er hoffe, wir könnten das Thema einfach hinter uns lassen.
Ich las diese Nachricht mehrmals. Und mit jedem Mal wurde mir klar, dass meine anfängliche Verärgerung verschwunden war. Nicht, weil das Problem klein war, sondern weil jemand Verantwortung übernommen hatte. Weil jemand verstanden hatte, dass es nicht um Strom ging, sondern um Respekt.